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In diesem Verzeichnis sind alle Veröffentlichungen von Heinz Moser seit dem Jahr 2000 enthalten, die sich auf den Medienbereich beziehen – ergänzt durch eine Zusammenstellungen aller Publikationen – von Anfang an. Nicht aufgelistet sind allerdings fachwissenschaftliche Beiträge zu weiteren Bereichen – wie Aktions- und Praxisforschung oder soziokulturelle Animation. Dazu finden Sie kurze informierende Einschübe am Schluss dieser Seite

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Vom reflektierenden Praktiker zum sozialen Architekten: Der Brückenschlag zwischen Aktion und Analyse


Wichtig für meine wissenschaftliche Tätigkeit waren für mich neben der Medienpädagogik die Bereiche der Praxisforschung und der soziokulturellen Animation. Sie waren stark mit meinem Engagement in sozialpädagogischen Praxisfeldern verbunden – als Dozent für Sozialpädagogik in Basel und im Rahmen der meiner Weiterbildungskurse der Evangelischen Fachhochschule in Darmstadt:

Die soziokulturelle Animation zur Gestaltung von Lebenswelten

Die soziokulturelle Animation ist ein dynamisches Konzept der sozialen Arbeit, das auf aktive Partizipation und Begegnung zwischen Menschen mit unterschiedlichen Lebenswelten abzielt. Sie entstand im französischen Raum aus der Bildungspopularisierung und wurde in der Schweiz als Brücke zwischen Sozialem und Kulturellem etabliert. Dabei ist Animation nicht bloss als methodisches Instrumentarium der Sozialen Arbeit zu verstehen, sondern als eigenständige professionelle Praxis, die auf Partizipation, Gemeinwesenorientierung und die Förderung zivilgesellschaftlicher Prozesse ausgerichtet ist. 

Zentral steht die Förderung selbstbestimmter Aktionen statt vordefinierter Programme: Projekte entstehen mit Menschen, nicht für sie. Konflikte werden nicht vermieden, sondern produktiv ausgetragen, um soziale Netze zu stärken und kulturelle Kompetenzen zu entwickeln. Die Animation orientiert sich an Grundwerten wie Freiheit, Demokratie und Menschenrechten, wie in der Charta der Soziokulturellen Animation festgehalten ist.

Die professionellen Animatorinnen und Animatoren liefern in diesem Gefüge nicht  fertige Angebote, sondern sie ermöglichen kooperative Prozesse. Es sollen mit Hilfe der Professionellen die Bedingungen gestaltet werden, um Räume, Strukturen und Ressourcen so bereitzustellen, dass Selbstorganisation und gemeinschaftliches Handeln erst möglich werden.

In Zeiten gesellschaftlicher Polarisierung bietet die soziokulturelle Animation Werkzeuge für Inklusion und Nachhaltigkeit. Sie verbindet Tradition mit Innovation, etwa durch kunstorientierte Ansätze. Als Medienpädagoge sehe ich hier Potenzial für digitale Partizipation, um kulturelle Räume intermediär zu nutzen.

(mit Müller, Emanuel; Wettstein, H.) Soziokulturelle Animation: Grundfragen, Grundlagen, Grundsätze, Luzern, Verl. f. Soziales u. Kulturelles, 1999, 236 S.

Praxis­­forschung als wissen­schaftliche Handlungs­­forschung

Meine wissenschaftlichen Wurzeln liegen in der Aktionsforschung der 1970er Jahre. Damals verstand ich Forschung primär als emanzipatorisches Projekt: Wissenschaft sollte nicht über Köpfe hinweg betrieben werden, sondern im Dialog mit den Beteiligten. Betroffene wurden zu Mitforschenden, um soziale Strukturen nicht nur zu analysieren, sondern demokratisch zu gestalten. Meine Rolle sah ich dabei als die eines kritischen Begleiters, der Veränderungsprozesse nicht neutral beobachtet, sondern reflexiv mitgestaltet.

Mit der Zeit wurde jedoch deutlich: Um im professionellen Alltag dauerhaft tragfähig zu sein, musste sich dieser Ansatz weiterentwickeln. Meine Arbeiten zur modernen Praxisforschung bilden daher eine Brücke zur Professionalisierung partizipativer Modelle. Dabei wurde der politisch-ideologische Kern der Aktionsforschung in ein pragmatisches Instrumentarium für den Berufsalltag transformiert – ohne den gesellschaftspolitischen Anspruch aufzugeben.

Die politische Bedeutung der Praxisforschung liegt heute vor allem in der Rückgewinnung der Definitionsmacht über die eigene Arbeit. In Zeiten von Standardisierung und externer Kontrolle dient sie Fachkräften als Werkzeug der Selbstbehauptung gegenüber rein technokratischen Reformen.

Zentral ist hierbei das Konzept des „Reflective Practitioner“: Professionelles Handeln bedeutet, die eigene Praxis in einem kontinuierlichen Zyklus aus Planung, Handeln, Beobachtung und Reflexion systematisch zu prüfen. Praxisforschung ist für mich eine Form wissenschaftlicher Handlungsforschung, die aus Problematiken der Praxis entsteht und in diese zurückwirkt.

Dabei betone ich stets: Praxisforschung ist keine „Wissenschaft light“. Ihre Qualität bemisst sich nicht an der Distanz zum Feld, sondern an methodischer Sorgfalt und der Nachvollziehbarkeit ihrer Ergebnisse. Ihre Validität (Gültigkeit) gewinnt sie aus ihrer direkten Relevanz für das Handeln. Deshalb setze ich auf den Verbund von quantitativen Daten – und von qualitative Methoden, die im Berufsalltag handhabbar bleiben – wie Feldnotizen, leitfadengestützte Gespräche oder strukturierte Beobachtungen, da quantitative Studien allein oft mehr Fragen als Antworten produzieren.

Instrumenten­koffer für die Praxis­forschung, Freiburg im Breisgau: Lambertus, 2022.