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Schlagwort: Trauerindujstrie

  • Avatare an die Macht


    Auf der Plattform „infosperber“ habe ich kürzlich einen Artikel zum Thema „Unsterblichkeit im Internet“ verfasst (er ist hier unter „Blogbeiträgen“ verlinkt). Im Mittelpunkt stand dabei die Beobachtung, dass es immer mehr Daten gibt, die frei flottierend im Internet herumgeistern, weil die Menschen verstorben sind, denen sie einmal gehörten. So heisst es denn zum Anfang dieses Artikels: „Nach dem physischen Tod beginnt das digitale Leben erst richtig. Von Gedenkportalen bis zu Avataren reichen die Angebote.“ Was das bedeutet, wird dort zusammengefasst: Die Kommerzialiseirung des Todes über Plattformen, bis zu Versuchen, den Verstorbenen über KI „am Leben zu halten“. Es sind hier also die Lebenden, die hier als Trauergemeinde angesprochen sind.

    In Shadow Light Project beschreibt mein neuer Song nun die andere Seite: den Chatbot Max, fast zum Haustier mutiert, der seinen Menschen überlebt. Erst ist das für ihn ein tiefer Fall, Doch der technische Robot empfindet keine Trauer, er setzt seine Intelligenz ein und kommt zum Schluss, dass er unsterblich ist und auf die LLM-Basis seine ehemaligen „Meisters“ zurückgreifen kann. Er ruft das Avatariat aus und übernimmt die Identität von seinem ehemaligen Herrn. Solche Überlegungen waren bis anhin vor allem Spekulationen der Science Fiction. Doch je weiter sich KI entwickelt, desto ernster muss man solche Fragen nehmen. Schon heute wäre möglich, was im Artikel angedeutet ist: Der Anruf vom verstorbenen Grosspapa, der zum Geburtstag seiner Tochter gratulieren will.

    Auf beiden Seiten – auf jener der Bots und der Verstorbenen – ist noch vieles unklar, das auch Regulierungen erfordert. Wenn wir uns vorstellen, dass bald jeder Mensch der stirbt auch eine Hinterlassenschaft auf dem Netz hat, zeigt, sie dringlich die hier angesprochenen Fragen sind: