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Schlagwort: Medienpädagogik

  • Warum Handysucht kein Generationenkonflikt ist.

    Handysucht wird gegenwärtig in medienpädagogischen Kontexten sehr häufig im Zusammenhang mit Kindern und Jugendlichen diskutiert. Hier nur einige Titel einschlägiger Presse-Schlagzeilen: Das schweizerische Fernsehen realisierte ein «Kassensturz» -Spezial zur Frage einer Handysucht bei Jugendlichen.  Die schweizerische Krankenkasse «Helsana» will zwar die Handysucht nicht als klinische Diagnose verstanden sehen, etikettiert die Sucht aber als «Nomophobie». Dazu werden Studien zitiert, wonach Jugendliche unter der Woche im Schnitt 3,5 Stunden am Smartphone verbringen und am Wochenende sogar täglich rund fünf Stunden. Sehr oft geraten denn auch Jugendliche in den Fokus einer solchen Berichterstattung. So berichtete die «Neue Zürcher Zeitung» vom 9.11.2025 ausführlich über die 18 jährige Nina Frei, die am Schluss in der Psychiatrie landete: «Fünf bis acht Stunden verbrachte sie am Handy, und an den Wochenenden noch viel mehr. Sie scrollte sich durch Lifestyle-Videos, Aufräumtipps, koreanische Musik Clips und schaute Serien ohne Ende. Und sie kam nicht davon los,». Auch dieser Artikel betont darüber hinaus, dass das Suchtverhalten bei Jugendlichen «besonders ausgeprägt» sei.

    Erst einmal ist klar zu unterstreichen, dass die Dominanz des Handys im Alltagsleben zu Problemen führen kann. Handyverbote bei kleinen Kindern können deshalb sinnvoll sein. Höchst unbefriedigend erscheint es mir dagegen, wenn die ganze Problematik auf «die Jugendlichen» abgewälzt wird. Auch wenn Jugendliche oft besonders technikinteressiert erscheinen, heisst das noch nicht, dass Eltern und Erwachsene mit ihrem Handykonsum dadurch entlastet werden.

    Man muss sich nur einmal am Morgen in einen Zug setzen. Da ist es heute mäuschenstill, und es gibt längst kein Zeitungsgeraschel mehr wie noch vor zwanzig Jahren. Alle Erwachsenen scrollen unaufhörlich auf ihren Handys, Gespräche miteinander gibt es kaum mehr und das bläuliche Licht der Smartphones dominiert. Auch die Social Media sind nicht nur Kinderspielplätze, sondern werden genauso von Erwachsenen frequentiert. Zudem wird es im Zeitalter der Digitalisierung immer schwieriger, noch ohne Handy und darauf abgelegte Karten auszukommen. Wo will man denn noch eine Fahrkarte am Schalter lösen, und wo kann man noch Dates finden, wenn man kein Smartphone hat.

    Im Artikel der NZZ gibt eine Schlüsselpassage – nämlich dort, wo die Autoren die Aussage des Mädchens zitieren, dass es gar nicht mehr davon loskomme. Dieses «Nicht-mehr-davon-Loskommen» ist nun aber ebenfalls kein Jugendproblem. Vielmehr sind Plattformmedien und KI-Bots darauf angelegt, die Nutzerinnen und Nutzer möglichst lange auf ihren Seiten zu halten. KI formuliert ihre Antworten immer sehr vorsichtig – sie möchte ihre Kunden nicht vergraulen. Und am Schluss werden immer noch neue Fragen gestellt, welche die Verweildauer erhöhen – und, um es in der Wirtschaftssprache auszudrücken, die eigene Nachfrage «skalieren». Mit einem Fachwort wird das auch als «Stickiness» beschrieben. Da sind alle Generationen im gleichen Boot.

    Es sind weniger die strikten Verbote, die hier etwas bewirken dürften, wie technische Regulierungen, die verhindern, dass die Bots nicht mehr loslassen. Gerade auch bei der Billigware aus China, wie sie von Temu verkauft wird, wird man durch all die Glücksspiele, Geschenke und supergünstigen Angebote fast nur noch verwirrt.

    Der Song von «Shadow Light Project» unterläuft die Schuldzuweisungen an die junge Generation. Es ist eher ein Familiengewitter das aufzieht und keine der betroffenen Stimmen entlastet – auch Benny nicht, wenn für ihn der Bot ein neuer Gott ist

    Der neue Song

    Mit diesem Link gelangen sie direkt auf das YouTube-Audio und können sich den Song anhören: Ja, es herrscht Tristesse, aber nicht nur bei Sohn Benny.

    Hier von YouTube verlinkt