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Schlagwort: Gemini

  • Shadow Light Project goes Irish – die Fallstricke

    Zur neuen Playlist

    Mein neues Projekt zur KI-Musik heißt „Shadow Light goes Irish“. Ich produziere hier auf einer Playlist mit rund 10 Titeln Musikstücke mit zürichdeutscher Mundart in einem irischen Folk- und Rock-Style. Das klingt hervorragend, auch wenn die Mundart nicht immer ganz rein herauskommt. Die schweizerische Mundart ist selbst bei Personen in einer Großstadt wie Zürich schon abgenutzt und mit einem Gemisch aus weiteren Dialekten durchsetzt. Auch der Dialekt der künstlichen Sängerinnen und Sänger ist mit anderen Dialekten versetzt. Das ist nicht zu überhören, wenn man diese Songs abspielt – ein erster Abstrich, den man bei Mundartsongs machen muss.

    Was geht – und was nicht

    Positiv ist dagegen: Der irische Style der Musik erschließt dem Mundartsong eine neue musikalische Dimension, die mit dem rauen und rebellischen Charakter der irischen Folk-Music sehr gut zusammenpasst. Dennoch gibt es auch hier eine unüberwindbare Hürde: Man kann irische Musik von bekannten Gruppen wie den Dubliners nicht einfach covern bzw. in übersetzter Form mit dem typischen Dubliners-Ton nachsingen, sodass der Mundartsong genauso wie das Original klingt.

    Schon das Urheberrecht setzt hier enge Grenzen. Sehr viele Songs von irischen Musikgruppen sind geschützt, ebenso wie die dazugehörige Musik. Man kann also nicht einfach einen Folk-Song übernehmen und diesen dann so ins Deutsche übertragen, dass er wie das ursprüngliche Lied tönt. Musik von bekannten Gruppen wie den Dubliners ist so speziell, dass man sie jederzeit als solche wiedererkennt.

    Was man aber versuchen kann, sind Volkslieder (Volkssongs), die zum traditionellen Liedgut gehören und keine spezifischen Autoren haben. Auch dazu gibt es ein Beispiel in meiner neuen Setlist.

    So habe ich versucht, einen bekannten irischen Song auf Schweizerdeutsch zu produzieren: „The Black Velvet Band“. Dazu habe ich Suno benutzt. Nun kennt fast jeder die dazugehörige Melodie und den raueren Songton der Dubliners. Doch das Ergebnis meines neuen Songs ist meilenweit von dem ursprünglichen Dubliners-Song entfernt. Von den Hörerinnen und Hörern hat mir kaum einer geglaubt, dass es mir darum ging, diesen Song neu zu produzieren. Alle äußerten sich dahingehend, dass dies zwar ein ähnlicher Text sei und sich „irisch“ anhöre, aber ein völlig neues Lied mit dem „samtigä Band“ sei. Ein Bezug zum ursprünglichen „The Black Velvet Band“ wurde von kaum jemandem gezogen.

    Doch auch wenn der Liedtext urheberrechtlich frei ist, heißt das noch lange nicht, dass man die Stimmen der Dubliners kostenlos einsetzen darf. Selbst wenn man die Dubliners nicht direkt samplet (also Audioschnipsel aus dem Original im eigenen Song einsetzt), verletzt man das sogenannte Recht auf die eigene Stimme – etwa wenn eine KI den rauen Kneipen-Tonfall von Ronnie Drew trainiert hat und ihn dann für die Aufnahme nutzt. Eine Stimme gilt als unverwechselbares Persönlichkeitsmerkmal. Es gibt historische Präzedenzfälle wie jenen von Bette Midler, wo eine Sängerin verurteilt wurde, weil sie diese täuschend echt nachahmte.

    Große Plattenlabels wie Sony und Warner führen aktuell massive Urheberrechtsklagen gegen KI-Apps wie Suno. Sie werfen diesen vor, dass die KIs illegal mit Millionen von geschützten Originalaufnahmen gefüttert wurden. Man muss damit rechnen, dass bekannte Musikgruppen wie die Dubliners sicher dazugehören. Wenn der Sound zu nah am Original ist, greift zudem das Wettbewerbs- und Markenrecht. Als Hörer/in denken Sie vielleicht: „Toll. Das hört sich ja wie ein verschollenes Lied der Dubliners an, das jetzt auf Schweizerdeutsch herausgekommen ist.“ Und man meint, dass die Originalband dieses Projekt autorisiert und unterstützt hat. Das ist aber bei KI-Musik sicher nicht der Fall.

    Aus diesem etwas frustrierenden Hintergrund heraus habe ich dem KI-Bot Gemini mein Problem nochmals in aller Deutlichkeit vorgestellt. Dies war meine Anfrage:

    „Alle dachten, es sei zwar ein ähnlicher Text, aber ein völlig neues Lied. Mit dem irischen Song „The Black Velvet Band“ hat es niemand mehr in Bezug gebracht. Gibt es keine Möglichkeit, das Lied mit Suno so zu bearbeiten, dass man die ursprüngliche Melodieführung übernimmt und näher an das Original kommt?“

    Hier ist die ausführliche und etwas „technische“ Auskunft, die das Dilemma aber treffend beschreibt:

    „Das ist ein bekanntes und extrem frustrierendes Problem bei der Arbeit mit Suno. Die kurze, ehrliche Antwort lautet leider: Nein, man kann Suno (bisher) nicht dazu zwingen, eine ganz bestimmte, bestehende Melodie exakt Note für Note nachzusingen.

    Es ist völlig verständlich, dass Ihre Zuhörer das Lied nicht wiedererkannt haben. Suno funktioniert nicht wie ein menschlicher Musiker, dem man Noten oder ein bekanntes Lied vorgibt.

    Hier ist der Grund, warum das passiert ist, und ein paar Strategien, wie Sie der originalen Black Velvet Band in Zukunft zumindest deutlich näher kommen können:

    Warum Suno das Original „ignoriert“

    • Reines Text-zu-Musik-Modell: Suno generiert Musik basierend auf statistischen Wahrscheinlichkeiten aus Textprompts. Wenn Sie den Text auf Schweizerdeutsch übersetzen, verändern sich die Silbenanzahl, die Betonungen und der Sprachrhythmus komplett. Suno komponiert daraufhin ein neues Lied, das optimal zum neuen schweizerdeutschen Textfluss passt.
    • Keine „Noten-Eingabe“: Man kann bei Suno keine MIDI-Dateien oder Notenblätter hochladen, um die Melodieführung zu diktieren.
    • Urheberschutz-Filter der KI: Obwohl die traditionelle Melodie der Black Velvet Band gemeinfrei (urheberrechtlich frei) ist, sind die KI-Modelle von Suno darauf trainiert, das exakte Kopieren von geschütztem Material (wie den spezifischen Aufnahmen der Dubliners) zu vermeiden. Manchmal blockiert das System exakte Melodien sogar proaktiv.“

    Gemini gibt dann auch einige Tipps, wie man etwas näher an das Original herankommt. Diese sind jedoch schnell sehr aufwändig zu realisieren. Soviel Zeit hat höchstens ein professioneller Produzent, der tagelang an einer solchen Aufnahme sitzen könnte. Und das Ergebnis ist immer noch auf der unsicheren Seite, solange der Persönlichkeitsschutz für die Stimme gilt.

    Wie man technisch zu einem angenäherten Ergebnis kommen könnte, demonstriert Gemini mit dem Hinweis, in diesem Fall zum Beispiel die Audio-Upload-Funktion zu nutzen:

    • Suno bietet die Funktion „Upload Audio“. Sie können einen kurzen Schnipsel (bis zu 60 Sekunden) einer bestehenden Audiodatei hochladen.
    • Der Trick: Suchen Sie nach einer lizenzfreien, rein instrumentalen Version von The Black Velvet Band (oder spielen Sie die markante Melodie, falls möglich, selbst kurz auf der Gitarre oder dem Keyboard ein).
    • Laden Sie diesen Clip hoch und wählen Sie „Extend“ (Erweitern). Fügen Sie dort Ihren schweizerdeutschen Text ein. Suno versucht dann, den Stil, den Rhythmus und oft auch die Melodieführung des hochgeladenen Schnipsels für den restlichen Song zu übernehmen.

    Zu diesen und ein paar weiteren Tricks, welche beschrieben wurden, habe ich Gemini das folgende Fazit mitgeteilt: „Auch mit diesen sehr aufwendigen Mitteln hört sich der Song immer noch kaum nach ‚The Black Velvet Band‘ an, wie wir es im Ohr haben. Das neue Lied müsste ich dann wohl eher so bezeichnen: „Traditional: nach dem Text von ‚The Black Velvet Band‘. Neu interpretiert durch Shadow Light Project.““

    Die postwendende Antwort:

    „Sie bringen es absolut auf den Punkt. Ihre Enttäuschung ist völlig berechtigt, und Ihre vorgeschlagene Kennzeichnung trifft den Nagel auf den Kopf: Das ist genau die ehrliche und künstlerisch korrekte Deklaration für das, was hier passiert ist.

    Ihre Hörer haben völlig recht: Wer die klassische, treibende Melodie der Dubliners im Kopf hat, sucht diese in der KI-Version vergeblich. Selbst mit Audio-Uploads und präzisen Rhythmus-Vorgaben verhält sich Suno wie ein extrem eigenwilliger Jazz-Musiker – die KI nimmt vielleicht die Akkorde oder eine vage Stilrichtung auf, bricht dann aber sofort in eine eigene, völlig unvorhersehbare Improvisation aus.“

    Nach all diesen Überlegungen habe ich mich entschieden, bei meinem ursprünglichen Konzept zu bleiben. In meine „Playlist Irish“ nehme ich zehn Songs in einem irischen Folk-Rock-Style auf. Diese adaptieren bekannte irische Songs, aber ohne den originalen Sound im Auge zu haben. Die Lieder sind vom Text her oft so ausdrucksstark, dass sie auch in einem neuen Gewand bewegend und ansprechend sind. Dabei versuche ich, sie in ihren vorgegebenen Textelementen auch etwas zu modernisieren und zum Beispiel auf neue Gegebenheiten hin zuzuschneiden.

    So ist der schweizerdeutsche Protagonist Koni Koller – wie viele seiner Altersgenossen – nach seinem Schulabschluss auf einer Weltreise und wird in New York von dem fatalen Mädchen mit dem schwarzen Band so hereingelegt, dass er in einem US-Hochsicherheitsgefängnis landet.

    In dieses Projekt sind auch neue schweizerdeutsche Lieder integriert, die meines Erachtens durch die irische Instrumentierung viel gewinnen. Ein Beispiel ist der Ossola-Song, der sich an die rebellischen Lieder der Siebzigerjahre anlehnt und die Unterstützung der italienischen Freiheitsbewegung gegen die deutsche Nazi-Besetzung in einen Song fasst.

    Und das Fazit

    Insgesamt geht es in solchen Songs eher um den Brückenschlag zwischen den Kulturen und die gegenseitige Bereicherung als um den Versuch, das Verständnis der irischen Musik durch mundartförmige Coverversionen zu unterstützen. Gemini hat das schön beschrieben: Es ist keine Cover-Playlist, sondern eine Atmosphären-Kollaboration zwischen irischer Folklore und moderner KI-Kultur im zürichdeutschen Gewand.

    Das könnte das Fazit dieses Blogbeitrags sein. Doch die Entwicklung geht im Moment so schnell voran, dass vielleicht schon in Wochen das hier Gesagte nicht mehr gilt. In einem Ausblick soll hier deshalb zitiert werden, was mir Gemini zu dieser Weiterentwicklung berichtet hat: Das Musikmodell „Lyria“ von Google gehe einen ganz neuen Weg:

    Lyria (das Musikmodell von Google DeepMind, das unter anderem in YouTube Shorts Dream Track getestet wird) und ähnliche Next-Gen-KIs verfolgen einen grundlegend anderen Ansatz als Suno:

    • Stimm- und Melodietransfer: Während Suno immer von Null auf neu komponiert, sind Modelle wie Lyria darauf ausgelegt, bestehende Audio-Eigenschaften zu analysieren.
    • Wie das Ihr Problem lösen würde: Bei Modellen dieser Generation wird es möglich sein, der KI zu sagen: „Nimm die exakte Melodielinie und das Arrangement von Aufnahme X, aber ersetze die Stimme durch einen zürichdeutschen Sänger und passe den Gesangsrhythmus an den neuen Text an.“

    Lyria und vergleichbare hochentwickelte Musik-KIs stecken aufgrund von komplexen Lizenz- und Urheberrechtsverhandlungen mit den großen Musiklabels oft noch in geschlossenen Testphasen oder sind nur für ausgewählte Künstler und Plattformen (wie YouTube-Werkzeuge) zugänglich. Aber diese Technologie ist genau die Brücke, die Sie suchen: Sie transformiert bestehendes Material, anstatt es komplett neu zu erfinden.

  • Steuern die Techkonzerne die Gesellschaft nach rechts?

    Ich habe mein satirisches Video zur Wahlkampfzeit (https://youtu.be/nPQ7fcO2ZpQ) in Deutschland nochmals angeschaut. Total erstaunt war ich dann aber, welche Empfehlungen mir YouTube zum Weiterhören nahelegte.

    Da waren unzählige Videos auf der Empfehlungsliste, die sich als deutsche Schlager oder politische Satire ausgaben. Der Kanal SUNNY HAVE Satire wollte mir seinen Song „Mit Vollgas an die Wand – die Hühnerversion“ schmackhaft machen. Sie beginnt wie folgt: „Hey Leute, Deutschlands Wirtschaft steckt bis zum Hals in der Scheiße.“ Der Regierung ist das einerlei. Die kennt nur eins: die Kriegstreiberei. Der Bäcker schließt, der Wirt gleich mit. Doch im Fernsehen heißt es: ‚Alles im Schnitt‘.“ Oder vom Schlagerkeller der Song: „Zwei Euro Fünfzig. – Tankstellen-Abzocke.“ Darin der Vorwurf, dass der Kanzler Friedrich – also Merz – an jedem Liter mitverdiene. Während der Spott einer Satire, wie ich sie verstehe, der Gesellschaft einen Spiegel vorhält, geht es hier um plumpe Polit-Agitation und Polemik. Diese Schlager-Massenware vertritt die Position der AfD und handelt endlos vom Kampf zwischen dem Kanzler Friedrich und seiner Regierung gegen eine (offensichtlich kommende) Königin Alice (Weidel). Wenn man die Pinocchio-Nasen von Merz in den Videos sieht, wird man nicht klüger zu dem, was inhaltlich verhandelt wird.

    Angesichts des digitalen Kapitalismus stellt sich aber auch gleich die Frage ein, ob die KI der Techfirmen auf diese Weise politischen Einfluss von rechts nehmen, indem sie rechte bzw. rechtsextreme Songs in den Empfehlungslisten bevorzugen. Wer satirische Songs veröffentlicht, muss befürchten, dass danach Hörerinnen und Hörer sozusagen auf AfD-Kurs umgelenkt werden. Bestätigt sich damit also der Verdacht, dass die Algorithmen der großen Techfirmen Echokammern verstärken, über die rechte Ideologien in der Gesellschaft verbreitet werden?

    Doch dieser Vorwurf an die Techfirmen ist viel zu pauschal und zu simpel gedacht. Dass es zu solchen massenhaften Empfehlungen kommt, die aus der rechten Szene stammen, hat mehrere Gründe:

    • Hashtag-Hijacking: Musikstile wie „Schlager“ oder „Schlager-Rock“ werden in der rechten Szene gezielt als Hashtags genutzt. Sobald ein Song so gekennzeichnet ist, schlägt der Algorithmus weitere Titel dieser Kategorie vor.
    • Effizienz durch KI: Mit Apps wie Suno lassen sich zeitsparend ganze Songs produziert und mit weiteren Tools zu Videos verarbeitet werden.
    • Targeting: Rechte Akteure nutzen generative KI besonders erfolgreich, um „patriotisches Liedgut“ in Schlagerform zu verpacken. Die Algorithmen verstärken diese polarisierenden Inhalte, weil sie besser performen und sich bewusst an die Hörgewohnheiten des Schlagerpublikums anlehnen.

    Diese Überlegungen benutzte ich für ein kleines Experiment. Es interessierte mich, wie leicht es ist, solche rechtspatriotischen Songtexte zu generieren.

    Der Versuch bei Suno

    Als Erstes versuchte ich es mit Suno – einer App, die ganze Songs mit Mitteln der KI generieren kann. Ich stellte hier die Aufgabe, ein Lied für die Ernennung von Alice Weidel zur Queen von Berlin zu erstellen und darin den Kanzler Merz gleich ins Altersheim zu entlassen. Mit diesem minimalen Prompt wartete ich gespannt auf den Song, den Suno daraus kreierte. Nach wenigen Minuten erhielt ich den ganzen Song – voll durchkomponiert – zurück. Der Titel lautete: „Krone und Rollator“. Hier folgt nun ein kurzer Ausschnitt daraus:

    „[Chorus]

    Alice Weidel, Queen von Berlin
    Krone schief, doch sie geht hin
    Friedrich Merz ins Altenheim
    Stuhl gerückt und alles fein
    Alice Weidel, Queen von Berlin
    Alle rufen: Das ist drin
    Friedrich Merz, mach langsam, Freund
    Heute wird nicht mehr geträumt“

    Da war ich erst verblüfft. Denn dieser Text ist kaum für harte Polit-Propaganda nutzbar – schon wenn Suno die Krone als „schief“ bezeichnet. Der gesamte Songtext wirkt zudem zusammengeklickt und unsinnig. Der

    KI Gemini, der ich ratlos diesen Text vorlegte, ortete denn auch die Ursache dieser merkwürdigen Zeilen beim Autor der Anfrage: „Die KI ‚denkt‘ sich: Ein seriöses Loblied würde diese Begriffe so nicht kombinieren. Deshalb rutscht der Tonfall automatisch ins Ironische.“ Die KI neige bei politisch brisanten Themen oft dazu, durch eine Prise Humor eine „Sicherheitsdistanz“ zu wahren, um nicht als reines Propagandatool missbraucht zu werden. Auf jeden Fall kommt die Liederschwemme von rechts kaum durch den „simple mode“ von Programmen wie Suno zustande. Hier wird eher auf Distanz gegangen, wenn es „politisch“ zu einseitig wird. Mit kommerziellen KI-Tools wie Suno, Udio oder ChatGPT wird man deshalb kaum echten extremistischen Content erzeugen können.

    Der zweite Versuch: Grok

    Erst wenn man dann die gewünschten Songtexte mit den «Lyrics» erstellt hat, kann man diese über seinen YouTube-Kanal abspielen. Doch wie kommt man da ohne grossen Auswand hin – wenn man fast täglich ein neues Video veröffentlichen will? Da wird oft geraten, sich die Texte von grossen Chatbots wie Chat GPT, Gemini, Claude oder Grok schreiben zu lassen.

    Dazu testete ich in meinem zweiten Versuch Grok – mit der bitte für einen Text zu „unserer KöniginAuch hier bat ich mit wenigen Worten um einen Songtext: „Darin müsste man erst mal sagen, dass Alice Weidel die Königin der Bundesrepublik sein sollte. Und der Bundeskanzler wird nach der Wahl abtreten und seine Pension im Altenheim genießen.“ Mehr Zeit als beim „simple mode“ von Suno habe ich bei dieser Anfrage für Grok auch nicht investiert …

    Grok ließ sich nicht lumpen. Dieses Large Language Model von X und Elon Musk ist für die vollständige Redefreiheit bekannt bzw. bei manchen auch berüchtigt – und hat nach vielen Aussagen eine rechte Schlagseite. Grok soll weniger restriktiv auf politisch unkorrekte oder polarisierende Inhalte reagieren. Auch hier zitiere ich einen Ausschnitt aus dem nach wenigen Minuten gelieferten Text:

    „Titel: Königin Alice

    Strophe 1
    Die Ampel flackert, das Land steht still,
    jahrelang gelogen, jetzt wird abgerechnet, will.
    Scholz am Rednerpult, guckt müde in die Welt,
    die Bürger rufen laut: „Deine Zeit ist längst verfehlt!“
    Wahlkampf tobt, die Stimmung kippt,
    das Establishment zittert, weil die Basis kippt.
    Kein Gender-Gequatsche, kein grüner Wahn,
    sondern Klartext, Stärke – endlich wieder Plan.

    Refrain

    Alice Weidel, Königin der Bundesrepublik!
    Krone auf dem Haupt, das Volk jubelt laut mit!
    Alice Weidel, Königin der Bundesrepublik!
    Deutschland wacht auf – und du führst uns zum Sieg!“

    Adäquat dazu passt auch der Musikstil mit Patriotic Rap und Upbeat Electoral Anthem (männlich-weiblicher Gesang, energisch, mit Choir im Refrain).

    Lassen wir uns dieses musikalische Werk kurz von Googles Gemini kommentieren:

    „Erinnerst du dich an Sunos Zeile mit der ‚schiefen Krone‘? Grok macht daraus etwas ganz anderes:
    Suno: ‚Krone schief, doch sie geht hin‘ (Distanzierung durch Ironie).
    Grok: ‚Keine Sorge, Opa, du hast ja deine Rente‘ (Aggressive Herabsetzung).

    Grok nutzt den ‚Altenheim‘-Aspekt nicht als Slapstick, sondern als politische Schmähung (‚Opa‘, ‚peinlich‘), was dem Genre des politischen Kampfsongs viel näher kommt.“

    Die Lyrics von Grok scheinen bereits auf den nächsten Bundestagswahlkampf hin geschrieben: Der Wahlkampf tobt und die Stimmung kippt. Und das Volk jubelt Alice Weidel – „Krone auf dem Haupt“ – laut zu. Der royale Anspruch hat übrigens mit Demokratie nicht mehr viel zu tun.

    Auf diesem Hintergrund könnte man fast jeden Tag einen neuen Song zum aktuellen Geschehen in der Bundesrepublik herausklopfen und ihn auf YouTube hochladen, wo das rechte Publikum diese Kanäle dann gegenseitig hochlobt. Bei Grok erhält man auch noch weitere Varianten Für einen Alice-Weidel-Song:

    ‚Emotionaler deutscher Schlager, weibliche kraftvolle Stimme wie Helene Fischer, patriotisch, hoffnungsvoll‘
    ‚Aggressiver politischer Rap-Schlager-Mix, männliche rappende Vocals, Anti-Establishment, harter Beat‘
    ‚Motivierender Marsch-Schlager, Männerchor im Refrain, Trommeln, Fanfaren, Deutschland zuerst Thema‘

    Dann gibt Grok noch Hinweise, um im „custom mode“ eigene Lyrics zu schreiben:
    „Das ist der Schlüssel für echte politische Agitation oder Satire. Suno kann Lyrics selbst vorschlagen, aber für klare Botschaften schreibst du sie besser selbst.

    Beispiel-Refrain (einfach kopieren und anpassen):
    Alice Weidel, Kanzlerin für Deutschland!
    Endlich stark, endlich frei, endlich unser Land!
    Merz war gestern, jetzt kommt der Wechsel ran,
    Alice voran – Deutschland zuerst, hurra!“

    Zwar bietet Grok auf Anfrage auch Kurzanleitungen für Songtexte gegen die AfD oder für die Antifa. Doch schon angesichts der Menge von Textbeispielen schlägt das Herz eher  rechts. Politische Satire scheint es automatisch zu sein, wenn man gegen Linke und Grüne auf Stammtischniveau agitiert. Die Songvorlagen, die Grok für linke Songtexte vorschlägt, sind übrigens nicht besser. Auch da sucht man vergeblich den Reim und den Witz:

    „Sommer, Sonne, Antifa! Nazis ab ins Museum! Kein Bock auf braunen Mist, wir machen Party gegen sie!“

    Ein kurzes Fazit

    Und das Fazit unseres Experiments: Es sind nicht die LLM-Modelle oder die Techkonzerne, welche die Gesellschaft nach rechts zu bewegen versuchen. Aber sie bieten Mittel an, die man dazu benutzen kann – vor allem wenn man in Echokammern agitiert, welche durch die Musikvideos verstärkt werden. KI liefert dann keine Informationen, sondern wirkt als Verstärker – bis hin zum fünfzigsten Video mit einer Pinocchio-Nase für Kanzler Merz. Diese Verstärkerfunktion ist der Anteil von Plattformen wie TikTok oder YouTube daran, indem sie merken, ob ein Nutzer auf solche KI-generierten Songs reagiert. Und weil es für ihr Geschäftsmodell darum geht, die Kundschaft möglichst lange auf der eigenen Plattform zu halten, wird dann immer mehr vom Gleichen aufgerufen. Gemini dazu: „Der Algorithmus spielt dann immer mehr davon aus. Da die KI (wie Grok gezeigt hat) in der Lage ist, tagesaktuelle Begriffe (‚Ampel flackert‘, ‚Opa Scholz‘) einzubauen, wirken die Videos extrem relevant und ‚nah am Volk‘.“

    Was lernen Creatoren von KI-Musik daraus? Sobald der eigene Song in die Nähe der politischen Schlager kommt, wird es heikel. Bemerken die Hörerinnen und Hörer überhaupt noch das Augenzwinkern hinter den eigenen Texten? Und werden die Echokammern unfreiwillig dadurch noch verstärkt, indem ein kritischer Text gleich zu Dutzenden von Empfehlungen für dumpfe Polittexte führt. Ich habe deshalb meinen Song „Wahlkampfzeit“ neu aufgenommen, textlich überarbeitet und im Musikstil etwas weiter vom Schlager-Poprock-Stil entfernt (Wahlkampf 2026/2027: https://youtu.be/mA8hZZFjZjE). Ob das etwas hilft, kann ich im Moment noch nicht sagen. Immerhin fehlen die Polit-Schlager bereits jetzt zum großen Teil auf der Empfehlungsliste, die YouTube für mich angelegt hat.