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Zur neuen Playlist

Mein neues Projekt zur KI-Musik heißt „Shadow Light goes Irish“. Ich produziere hier auf einer Playlist mit rund 10 Titeln Musikstücke mit zürichdeutscher Mundart in einem irischen Folk- und Rock-Style. Das klingt hervorragend, auch wenn die Mundart nicht immer ganz rein herauskommt. Die schweizerische Mundart ist selbst bei Personen in einer Großstadt wie Zürich schon abgenutzt und mit einem Gemisch aus weiteren Dialekten durchsetzt. Auch der Dialekt der künstlichen Sängerinnen und Sänger ist mit anderen Dialekten versetzt. Das ist nicht zu überhören, wenn man diese Songs abspielt – ein erster Abstrich, den man bei Mundartsongs machen muss.

Was geht – und was nicht

Positiv ist dagegen: Der irische Style der Musik erschließt dem Mundartsong eine neue musikalische Dimension, die mit dem rauen und rebellischen Charakter der irischen Folk-Music sehr gut zusammenpasst. Dennoch gibt es auch hier eine unüberwindbare Hürde: Man kann irische Musik von bekannten Gruppen wie den Dubliners nicht einfach covern bzw. in übersetzter Form mit dem typischen Dubliners-Ton nachsingen, sodass der Mundartsong genauso wie das Original klingt.

Schon das Urheberrecht setzt hier enge Grenzen. Sehr viele Songs von irischen Musikgruppen sind geschützt, ebenso wie die dazugehörige Musik. Man kann also nicht einfach einen Folk-Song übernehmen und diesen dann so ins Deutsche übertragen, dass er wie das ursprüngliche Lied tönt. Musik von bekannten Gruppen wie den Dubliners ist so speziell, dass man sie jederzeit als solche wiedererkennt.

Was man aber versuchen kann, sind Volkslieder (Volkssongs), die zum traditionellen Liedgut gehören und keine spezifischen Autoren haben. Auch dazu gibt es ein Beispiel in meiner neuen Setlist.

So habe ich versucht, einen bekannten irischen Song auf Schweizerdeutsch zu produzieren: „The Black Velvet Band“. Dazu habe ich Suno benutzt. Nun kennt fast jeder die dazugehörige Melodie und den raueren Songton der Dubliners. Doch das Ergebnis meines neuen Songs ist meilenweit von dem ursprünglichen Dubliners-Song entfernt. Von den Hörerinnen und Hörern hat mir kaum einer geglaubt, dass es mir darum ging, diesen Song neu zu produzieren. Alle äußerten sich dahingehend, dass dies zwar ein ähnlicher Text sei und sich „irisch“ anhöre, aber ein völlig neues Lied mit dem „samtigä Band“ sei. Ein Bezug zum ursprünglichen „The Black Velvet Band“ wurde von kaum jemandem gezogen.

Doch auch wenn der Liedtext urheberrechtlich frei ist, heißt das noch lange nicht, dass man die Stimmen der Dubliners kostenlos einsetzen darf. Selbst wenn man die Dubliners nicht direkt samplet (also Audioschnipsel aus dem Original im eigenen Song einsetzt), verletzt man das sogenannte Recht auf die eigene Stimme – etwa wenn eine KI den rauen Kneipen-Tonfall von Ronnie Drew trainiert hat und ihn dann für die Aufnahme nutzt. Eine Stimme gilt als unverwechselbares Persönlichkeitsmerkmal. Es gibt historische Präzedenzfälle wie jenen von Bette Midler, wo eine Sängerin verurteilt wurde, weil sie diese täuschend echt nachahmte.

Große Plattenlabels wie Sony und Warner führen aktuell massive Urheberrechtsklagen gegen KI-Apps wie Suno. Sie werfen diesen vor, dass die KIs illegal mit Millionen von geschützten Originalaufnahmen gefüttert wurden. Man muss damit rechnen, dass bekannte Musikgruppen wie die Dubliners sicher dazugehören. Wenn der Sound zu nah am Original ist, greift zudem das Wettbewerbs- und Markenrecht. Als Hörer/in denken Sie vielleicht: „Toll. Das hört sich ja wie ein verschollenes Lied der Dubliners an, das jetzt auf Schweizerdeutsch herausgekommen ist.“ Und man meint, dass die Originalband dieses Projekt autorisiert und unterstützt hat. Das ist aber bei KI-Musik sicher nicht der Fall.

Aus diesem etwas frustrierenden Hintergrund heraus habe ich dem KI-Bot Gemini mein Problem nochmals in aller Deutlichkeit vorgestellt. Dies war meine Anfrage:

„Alle dachten, es sei zwar ein ähnlicher Text, aber ein völlig neues Lied. Mit dem irischen Song „The Black Velvet Band“ hat es niemand mehr in Bezug gebracht. Gibt es keine Möglichkeit, das Lied mit Suno so zu bearbeiten, dass man die ursprüngliche Melodieführung übernimmt und näher an das Original kommt?“

Hier ist die ausführliche und etwas „technische“ Auskunft, die das Dilemma aber treffend beschreibt:

„Das ist ein bekanntes und extrem frustrierendes Problem bei der Arbeit mit Suno. Die kurze, ehrliche Antwort lautet leider: Nein, man kann Suno (bisher) nicht dazu zwingen, eine ganz bestimmte, bestehende Melodie exakt Note für Note nachzusingen.

Es ist völlig verständlich, dass Ihre Zuhörer das Lied nicht wiedererkannt haben. Suno funktioniert nicht wie ein menschlicher Musiker, dem man Noten oder ein bekanntes Lied vorgibt.

Hier ist der Grund, warum das passiert ist, und ein paar Strategien, wie Sie der originalen Black Velvet Band in Zukunft zumindest deutlich näher kommen können:

Warum Suno das Original „ignoriert“

  • Reines Text-zu-Musik-Modell: Suno generiert Musik basierend auf statistischen Wahrscheinlichkeiten aus Textprompts. Wenn Sie den Text auf Schweizerdeutsch übersetzen, verändern sich die Silbenanzahl, die Betonungen und der Sprachrhythmus komplett. Suno komponiert daraufhin ein neues Lied, das optimal zum neuen schweizerdeutschen Textfluss passt.
  • Keine „Noten-Eingabe“: Man kann bei Suno keine MIDI-Dateien oder Notenblätter hochladen, um die Melodieführung zu diktieren.
  • Urheberschutz-Filter der KI: Obwohl die traditionelle Melodie der Black Velvet Band gemeinfrei (urheberrechtlich frei) ist, sind die KI-Modelle von Suno darauf trainiert, das exakte Kopieren von geschütztem Material (wie den spezifischen Aufnahmen der Dubliners) zu vermeiden. Manchmal blockiert das System exakte Melodien sogar proaktiv.“

Gemini gibt dann auch einige Tipps, wie man etwas näher an das Original herankommt. Diese sind jedoch schnell sehr aufwändig zu realisieren. Soviel Zeit hat höchstens ein professioneller Produzent, der tagelang an einer solchen Aufnahme sitzen könnte. Und das Ergebnis ist immer noch auf der unsicheren Seite, solange der Persönlichkeitsschutz für die Stimme gilt.

Wie man technisch zu einem angenäherten Ergebnis kommen könnte, demonstriert Gemini mit dem Hinweis, in diesem Fall zum Beispiel die Audio-Upload-Funktion zu nutzen:

  • Suno bietet die Funktion „Upload Audio“. Sie können einen kurzen Schnipsel (bis zu 60 Sekunden) einer bestehenden Audiodatei hochladen.
  • Der Trick: Suchen Sie nach einer lizenzfreien, rein instrumentalen Version von The Black Velvet Band (oder spielen Sie die markante Melodie, falls möglich, selbst kurz auf der Gitarre oder dem Keyboard ein).
  • Laden Sie diesen Clip hoch und wählen Sie „Extend“ (Erweitern). Fügen Sie dort Ihren schweizerdeutschen Text ein. Suno versucht dann, den Stil, den Rhythmus und oft auch die Melodieführung des hochgeladenen Schnipsels für den restlichen Song zu übernehmen.

Zu diesen und ein paar weiteren Tricks, welche beschrieben wurden, habe ich Gemini das folgende Fazit mitgeteilt: „Auch mit diesen sehr aufwendigen Mitteln hört sich der Song immer noch kaum nach ‚The Black Velvet Band‘ an, wie wir es im Ohr haben. Das neue Lied müsste ich dann wohl eher so bezeichnen: „Traditional: nach dem Text von ‚The Black Velvet Band‘. Neu interpretiert durch Shadow Light Project.““

Die postwendende Antwort:

„Sie bringen es absolut auf den Punkt. Ihre Enttäuschung ist völlig berechtigt, und Ihre vorgeschlagene Kennzeichnung trifft den Nagel auf den Kopf: Das ist genau die ehrliche und künstlerisch korrekte Deklaration für das, was hier passiert ist.

Ihre Hörer haben völlig recht: Wer die klassische, treibende Melodie der Dubliners im Kopf hat, sucht diese in der KI-Version vergeblich. Selbst mit Audio-Uploads und präzisen Rhythmus-Vorgaben verhält sich Suno wie ein extrem eigenwilliger Jazz-Musiker – die KI nimmt vielleicht die Akkorde oder eine vage Stilrichtung auf, bricht dann aber sofort in eine eigene, völlig unvorhersehbare Improvisation aus.“

Nach all diesen Überlegungen habe ich mich entschieden, bei meinem ursprünglichen Konzept zu bleiben. In meine „Playlist Irish“ nehme ich zehn Songs in einem irischen Folk-Rock-Style auf. Diese adaptieren bekannte irische Songs, aber ohne den originalen Sound im Auge zu haben. Die Lieder sind vom Text her oft so ausdrucksstark, dass sie auch in einem neuen Gewand bewegend und ansprechend sind. Dabei versuche ich, sie in ihren vorgegebenen Textelementen auch etwas zu modernisieren und zum Beispiel auf neue Gegebenheiten hin zuzuschneiden.

So ist der schweizerdeutsche Protagonist Koni Koller – wie viele seiner Altersgenossen – nach seinem Schulabschluss auf einer Weltreise und wird in New York von dem fatalen Mädchen mit dem schwarzen Band so hereingelegt, dass er in einem US-Hochsicherheitsgefängnis landet.

In dieses Projekt sind auch neue schweizerdeutsche Lieder integriert, die meines Erachtens durch die irische Instrumentierung viel gewinnen. Ein Beispiel ist der Ossola-Song, der sich an die rebellischen Lieder der Siebzigerjahre anlehnt und die Unterstützung der italienischen Freiheitsbewegung gegen die deutsche Nazi-Besetzung in einen Song fasst.

Und das Fazit

Insgesamt geht es in solchen Songs eher um den Brückenschlag zwischen den Kulturen und die gegenseitige Bereicherung als um den Versuch, das Verständnis der irischen Musik durch mundartförmige Coverversionen zu unterstützen. Gemini hat das schön beschrieben: Es ist keine Cover-Playlist, sondern eine Atmosphären-Kollaboration zwischen irischer Folklore und moderner KI-Kultur im zürichdeutschen Gewand.

Das könnte das Fazit dieses Blogbeitrags sein. Doch die Entwicklung geht im Moment so schnell voran, dass vielleicht schon in Wochen das hier Gesagte nicht mehr gilt. In einem Ausblick soll hier deshalb zitiert werden, was mir Gemini zu dieser Weiterentwicklung berichtet hat: Das Musikmodell „Lyria“ von Google gehe einen ganz neuen Weg:

Lyria (das Musikmodell von Google DeepMind, das unter anderem in YouTube Shorts Dream Track getestet wird) und ähnliche Next-Gen-KIs verfolgen einen grundlegend anderen Ansatz als Suno:

  • Stimm- und Melodietransfer: Während Suno immer von Null auf neu komponiert, sind Modelle wie Lyria darauf ausgelegt, bestehende Audio-Eigenschaften zu analysieren.
  • Wie das Ihr Problem lösen würde: Bei Modellen dieser Generation wird es möglich sein, der KI zu sagen: „Nimm die exakte Melodielinie und das Arrangement von Aufnahme X, aber ersetze die Stimme durch einen zürichdeutschen Sänger und passe den Gesangsrhythmus an den neuen Text an.“

Lyria und vergleichbare hochentwickelte Musik-KIs stecken aufgrund von komplexen Lizenz- und Urheberrechtsverhandlungen mit den großen Musiklabels oft noch in geschlossenen Testphasen oder sind nur für ausgewählte Künstler und Plattformen (wie YouTube-Werkzeuge) zugänglich. Aber diese Technologie ist genau die Brücke, die Sie suchen: Sie transformiert bestehendes Material, anstatt es komplett neu zu erfinden.

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