Für das Coverbild für meinen Song zum Schweizerischen General John Sutter, der in den USA «Neu Helvetien» gegründet hatte und vom kalifornischen Goldrausch überrascht worden war, hatte ich die KI um eine gemeinfreies historisches Bild geben. Das Coverbild, das ich nun für den Song gewählt habe, scheint genau das zu leisten: Aus einem historischen Archiv eine Ansicht des Generals, hoch zu Ross, vor dem von ihm gegründeten Fort von Sacramento. Eigentlich hatte ich gar keine Zweifel an dem Ursprung des alten Stichs, wollte mich aber dennoch absichern.
Der KI-Bot gab mir dann aber eine ziemlich verblüffende Antwort: «Dieses Bild wurde komplett neu von einer KI generiert und stammt nicht aus einer echten historischen Quelle. Die Bilddatei enthält sichere Datensätze, die darauf hinweisen, dass das Medium von Google LLC mit KI-Tools erstellt und bearbeitet wurde. Diese Art von Datensätzen nennt man C2PA Content Credentials (Inhaltsberechtigungen). Sie verankern die Herkunft und den Bearbeitungsverlauf eines Inhalts sicher direkt in der Datei, um die Transparenz über die Entstehung digitaler Medien zu gewährleisten.»
Das heisst aber auch: Es ist nicht mehr so einfach, rein mit einem Blick von aussen den Fake-Charakter von Bildern zu erkennen – etwa wenn man in einer Bildbetrachtung in der Schule früher feststellte, dass da eine Person aus dem Bild herausgenommen wurde. Und die Tech-Konzerne sichern sich ab, weil sie wissen, dass das Urheberrecht einer ihrer Stolpersteine sein könnt. Die Konzerne -hier Google LLC – verankern Herkunft und Bearbeitungsverlauf im Bild, doch von aussen sieht man das natürlich nicht. Uns Laien hilft das wenig, wenn wir medienpädagogisch Zweifel an einem Bild formulieren.
Die gute Nachricht: Sofern die Content Credentials beim Weitergeben der Datei nicht entfernt wurden, können sie gelesen werden – über den offiziellen «Content-Credentials-Viewer» von Adobe: Man kann dort Bilder hochladen und sich die gespeicherten Informationen ansehen.
Das mag beruhigend sein für Experten, welche die Provenienz solcher Bilder erforschen wollen. Aber im Alltag wird es immer schwieriger, zwischen realen Abbildungen der Realität und künstlich erstellter Realität zu unterscheiden. Man kann ja nicht alle Bilder erst einmal durch einen solchen Reader hindurchjagen, um da sicher zu sein. Die Problematik ist auch deshalb so gravierend, weil da nicht mehr ein einzelner Fälscher am Werk ist. Sondern das Informationsmaterial, über welches die KI verfügt, ist so breit angelegt, dass da natürlich auch viele Spuren realer Bilder und Informationen in das neu konstruierte Bild des General Sutter einfliessen. Fake und Reales verschwimmen in einem Ausmass, wo es nicht mehr darum gehen kann «falsch» und «richtig» eindeutig zu unterscheiden. Der Autor eines solchen Bildes erzeugt damit letztlich eine neue Form der Realität, die sich aus Facetten der Realität und der eigenen Imagination speist.
Für uns heisst das, dass die alleinige visuelle Kritik eines Bildes kaum mehr erfolgreich ist. Wichtiger wird vielmehr die Quellenkritik (Kontext, Urheber, Absicht), die in den Vordergrund rückt. Wir können dem Bild selbst nicht mehr glauben, sondern müssen den Weg prüfen, den es zu uns genommen hat. Aber auch diese Wege sind oft so verschlungen, dass wir auch dann noch lange nicht alle Rätsel gelöst haben.


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