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Ein schweizerdeutscher Mundartsong – und dann gleich auch noch in Englisch? Kann das gut gehen, war unsere Frage an die KI.

Um das auszuprobieren, benutzte ich Gemini von Google für einen Liedtext im Stil eines schweizerdeutschen Mundart-Songs. Dabei war ich neugierig darauf, ob es die KI versteht, sich in «Züritütsch» auszudrücken. Und gleichzeitig war das mit dem Auftrag verbunden, den Liedtext auch auf Englisch zu schreiben – als eine Art von als Swiss Country Song.

Ich bat also die KI: Kannst du mir ein schweizer Poplied schreiben mit folgenden Begriffen: Müntschi (Küsschen), Jodeln, Sonnenuntergang, Fondue, Fendant. Mehr gaben wir nicht ein und bekamen dann die folgenden Songtexte zurück:

Liedtext (Schwyzerdütsch)

(Intro: Akkordeon und sanfte Gitarre)

Strophe 1

D’Sunne sinkt hinger d’Gipfel goldig und rot

Mir sitze vor dr Hütte, es het keini Not

S’füürli brännt im Chacheli, d’Chlöpfer sind bereit

Dä Moment isch alles, was im Läbe no gseit

Refrain

En Abig mit Fondue und e guete Fendant

D’Liebi im Härz und de Becher i dr Hand

Ich gäb dr es Müntschi, d’Wält blybt churz stah

Lueg wie de Sunneuntergang duet am Himmu vergah

Und i de Bärge ghört me d’Lüt echli jodle

Holladi-o, mir lö d’Seel echli bummle

Strophe 2

D’Geige fahrt y, d’Gitarre schlat de Takt

Mir händ d’Sorge vo geschter eifach igepackt

D’Luft isch so chalt, aber s’Härz isch so warm

Ich halte di fescht bi mir i mim Arm

Refrain

En Abig mit Fondue und e guete Fendant

D’Liebi im Härz und de Becher i dr Hand

Ich gäb dr es Müntschi, d’Wält blybt churz stah

Lueg wie de Sunneuntergang duet am Himmu vergah

Und i de Bärge ghört me d’Lüt echli jodle

(Bridge: Jodel-Teil mit Akkordeon-Solo)

Holladi-o-u-diiiii, ho-u-dii-o!

Und gleich anschliessend kam ein ebenso ausgefeilter Text in Englisch.

Dieses Ergebnis erschien uns erst einmal gigantisch – aus sechs Begriffen einen Text zu produzieren, der einen Zusammenhang hat, sich meist reimt und dann noch in schweizerischer Mundart (sowie auf Englisch). Schaut man etwas genauer hin, dann zeigen sich allerdings auch einige Ungereimtheiten. Was soll beim Fondue ein Chacheli sein, und was haben da Würste (Chlöpfer) zu suchen. Auch das «Holladi-o, wir lassen die Seele bummeln» passt nicht so ganz in einen Schweizer Mundart-Text hinein; und dass man die Sorgen «igepackt» hat, ist sprachlich auch nicht ganz korrekt (der englische Text hatte es da leichter; aber auch dort könnte man einiges bemängeln, wenn man ins Detail ginge). Immerhin wurde das «Müntschi» (Küsschen) auch dort richtig eingesetzt.

Trotzdem stellt sich die Frage, wie ein insgesamt doch so rundes Ergebnis zustandekommt. Da war es am einfachsten, bei «Gemini» gleich selbst zurückzufragen. Die Antwort des Bots bezog sich auf zwei Ebenen:

«1. Die Architektur der Wahrscheinlichkeiten

Im Kern funktioniere ich tatsächlich über Wahrscheinlichkeiten. Wenn ich das Wort Sunne (Sonne) schreibe, ist die statistische Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass im Kontext eines Schweizer Alpen-Szenarios Wörter wie Gipfel, rot, goldig oder Hütte folgen. Ich wähle nicht das „nächstbeste“ Wort, sondern dasjenige, das im Kontext der emotionalen Stimmung am stimmigsten erscheint.

2. Kulturelle Skripte und Klischees

Ich greife auf riesige Mengen an Texten zu, die mir beigebracht haben, wie „Schweizer Gemütlichkeit“ (Gemütli) funktioniert.

  • Vokabular: Begriffe wie Chlöpfer (Cervelat) oder Chacheli (Schüssel/Gefäss) sind starke Ankerpunkte. Sie erzeugen sofort ein Bild, das über das rein Sprachliche hinausgeht.
  • Stimmung: Die Melancholie des Sonnenuntergangs kombiniert mit der Bodenständigkeit eines Feuers ist ein klassisches Motiv der Mundart-Liedermacher (denk an Mani Matter oder Patent Ochsner).» (abgefragt am 20.2.2026).

Das bedeutet aber auch, dass weniger kreative und ungewöhnlich Texte im Mittelpunkt stehen, sondern solche, die Klischees und vorgegebene kulturelle Codes transportieren. In den Datenbanken der LLM’s sind also schon Mengen von textlichen Bruchstücken vorhanden, die als Versatzstücke ausgepackt werden – etwa Passagen wie: «D’Luft isch so chalt, aber s’Härz isch so warm, ich halte di fescht bi mir i mim Arm.» Letztlich wird damit mehr Bekanntes rekombiniert als radikal Neues geschaffen.

Wer mehr will, muss sich als «Creator» schon selbst an den Text halten und ihn in die von ihm gewünschte Richtung bearbeiten.

Danach musste der Text als Musikstück produziert werden. Dazu benutzten wir Suno – eines der gegenwärtig angesagten Programme zur Musikproduktion. Gemini hatte dazu auch gleich einen perfekt passenden Musikstil bereit: «Style for Suno: Swiss Folk-Pop, Accordeon, Violin, Acoustic Guitar, upbeat but warm, male/female vocals».

Daraus sind dann die beiden Songs entstanden (einer in Englisch und der andere in Deutsch), die hier heruntergeladen werden können. Dabei fällt einerseits wieder die schiere Professionalität der Produktion auf: Es unterscheidet sie gar nicht so stark von den realen Schlagern, die man von «echten» Musikern hört. Manches ist vielleicht noch etwas unsauber wie ein halliger Ton, der mitschwingt. Aber die Programme machen hier in kurzer Zeit riesige Fortschritte, so dass die Schwächen rasch abnehmen werden. Und natürlich ist es mit der schweizerischen Mundart schwierig, die ja wiederum in kleinteilige Dialekte zerfällt. Da ist dann auch einmal ein falscher Ton zu hören – auch wenn Fondue und Fendant etwas sehr hochdeutsch gesprochen daherkommen. 

Insgesamt ist aber das Ergebnis erstaunlich und es hat Spass gemacht, so eine Art von etwas kitschigem Alpenpop zu entwickeln. Ich werde mit Ihnen als Leserin und Leser dieses Blog teilen, wie es mit dem Experiment weitergeht – dann aber nicht mehr auf der volkstümlichen Welle. Die ersten Gehversuche auf YouTube werden hier noch viel Diskussionsstoff anbieten.

S‘ Müntschi uf de Berge (Audio: deutsch und englisch)